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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Heidevolk: Heidnische Fiesta

Mit Uit Oude Grond haben die Niederländer von Heidevolk kürzlich ein wunderschönes neues Album voller folkigem Metal abgeliefert. Ganz persönliches Interesse am gelderlandschen Hintergrund der Band, am coolen Sound und der heidnischen Kultur machten es da dann für mich auch unumgänglich, mich näher mit den Mannen zu befassen, und wie sollte das besser gehen als in einem Interview?
Also schickte ich Heidevolk ein paar Fragen, welche mir Saitenreisser Sebas Bloeddorst in nahezu perfektem Deutsch und mit einem herrlichen Humor beantwortet hat. Warum das Gelderland eine der schönsten Regionen Europas ist, was Heidevolk mit Asterix & Obelix gemein haben, und wieso das Heidentum nicht nur eine zeitlose, sondern auch eine hochaktuelle Lebensphilosophie darstellt - Lest selbst:

Otti:
Seid gegrüßt, wertes Heidevolk. Wir möchten unseren Lesern eure Musik und eure Philosophie ein wenig näherbringen, und euch daher ein paar Fragen stellen. Doch zunächst, wie würdet ihr euch einem Menschen beschreiben, der noch nie von euch gehört hat?

Sebas:
Folkmetal mit heidnischen Themen. Tja wir bekommen diese Frage öfters gestellt trotzdem möchte ich darüber etwas erzählen. Durch die Jahre haben wir unseren eigenen Stil entwickelt, den man so beschreiben kann: Wir sind ein Chor von etwa 20 Mann und wir spielen Cover von 2-Unlimited und Rex Gildo. Unsere grössten Hits sind deshalb auch No Limit und Fiesta Mexicana die wir gemeinsam rülpsen, begleitet durch Querflöte und Mundharfe.

Schaut einfach mal auf www.heidevolk.com oder www.myspace.com/officialheidevolk
Hossa! Hossa!


"Das Album klingt rauer, mehr nach Metal"

Otti:
Am 26. März erschien ja nun euer neuestes Album Uit Oude Grond. Was sind denn in eueren Augen die entscheidendsten Fortschritte und Veränderungen im Vergleich zum Vorgänger Walhalla Wacht?

Sebas:
Das neue Album ist vielseitiger als das vorherige. Wir haben mehrere Arten von Rhytmus und Kombinationen von Melodielinien benutzt. Dadurch sind verschiedene Arten von Songs entstanden die zusammen wieder den Heidevolk-Sound ergeben. Besonders hörbar sind diese kombinierten Melodien in Reuzenmacht und Karel van Egmond. Auf diesem Album habe ich auch selbst die Mandoline eingespielt. Dies scheint ein grosser Erfolg zu sein und es ist wahrscheinlich, dass wir dies in Zukunft öfter benutzen werden. Ebenfalls ist die Produktion bei unserem neuen Album viel besser, die Gitarren und der Gesang kommen viel besser zum Vorschein, wodurch das ganze rauer klingt, mehr nach Metal!

Otti:
Gab es denn während der Studioaufnahmen lustige oder spannende Ereignisse, von denen ihr berichten könnt?

Sebas:
Nunja, die meisten unterhaltsamen Geschichten kamen dann doch von unserem Produzenten, Dick Kemper, der in den Siebzigern Bassist der Rock Bank Van Halen war. Wie kleine Kinder lauschten wir seinen Geschichten. Und was der alte Rocker in dieser Zeit alles mit seinen Fans mitgemacht hat...Groupies und auf Tour mit KISS, ich denke nicht das es einfach ist als Band so etwas gleichwertiges zu erleben, aber wir versuchen auf alle Fälle unser Bestes tun um es genau so zu tun! Ha ha ha

Otti:
Wie schon in der Vergangenheit bezieht ihr euch auch in den neuen Songs oftmals auf Sagen und Mythen aus der Provinz Gelderland. Was macht in euren Augen den besonderen Reiz unserer gemeinsamen Heimatregion aus?

Sebas:
Unser Gelderland ist ein Gebiet voll mit Geschichte. Zur Zeit der Römer lag die römische Grenze mitten durchs Gelderland und war Schauplatz von vielen Gefechten zwischen den Römern und den germanischen Stämmen. Dadurch ist der Boden reich an archäologischen Funden und Geschichten. Viele Sagen und Mythen über Götter und mythische Wesen sind überliefert aus der Zeit der Heiden, einige Leben selbst bis in unsere heutige Zeit durch. Also haben wir genug Themen um unsere Texte zu machen ;)

Otti:
Die Geschichte der Stadt und des Herzogtums Geldern basiert ja auf der Sage um einen Drachen, der von Wichard von Pont erschlagen wurde, und euer Song Beest bij Nacht handelt von der weit verbreiteten Werwolf-Mythologie. Wieviel Wahrheit und Realität steckt eurer Ansicht nach hinter solchen Sagen und ihren Gestalten?

Sebas:
Nunja, manchmal sehe ich im Sommer Leute am Strand die qua Behaarung für mich in die Kategorie Werwolf fallen. Und die Mutter meiner Ex fällt auf alle Fälle in die Kategorie Drache. Also was das betrifft denke ich das ziemlich viel Wahrheit hinter diesen Geschichten steckt! Hahaha.
Aber im Ernst: Was den Drachen betrifft gibt es eine Erklärung. Der Drache symbolisierte die Vikinger, die mit ihren typischen Drachenschiffen über den Rhein fuhren. Und dass diesen Hanseln der Kopf durch den heldenhaften Wichard van Pont zurechtgerückt wurde, darauf können wir zurecht stolz sein.
Und was die Werwölfe betrifft , geht der Glaube das Menschen sich in Tiere verwandeln können schon weit zurück, und ist in vielen Kulturen bekannt. Es gibt zum Beispiel Theorien die behaupten das dies mit den alten Krieger-Elitetruppen der Germanen, so als Ulfhednar (die Wolfshäute), zu tun hat. Trainierte Krieger die , so sagt man, übernatürliche Kräfte hatten und daran glaubten die Kraft eines Wolfes zu besitzen und sich so auch in einen Wolf verändern zu können.

Otti:
Ihr wart doch sicher auch mal in Geldern selbst, oder? Wenn ja, wie findet ihr mein beschauliches kleines Geburtsstädchen?

Sebas:
Ich bin einmal durchgefahren, ein allerliebstes kleines Dorf. Später soll man einmal erzählen, die Weltherrschaft hat hier begonnen! Dann wird es ein Wahlfahrtsort sein für alle Krieger in der Welt mit einem riesigen Schloss von Heidevolk, das bis in die Ferne sichtbar ist. Die grossen Hallen werden gefüllt sein mit den mächtigsten Kriegern und den schönsten Frauen die ihnen den Trank der Götter bringen. Ehre an das mächtige grosse Gelre!

Otti:
Dominierendes Thema auf Uit Oude Grond scheinen aber vor allem verschiedenste Gottheiten wie Ostara, der Donnergott oder Nehalennia, eine Göttin der Seemänner. Auch generell beschäftigt ihr euch viel mit dem nordischen Pantheon und heidnischen Religionen. Wieviel von diesem Glauben lebt ihr denn abseits der Musik auch in eurem Alltag?

Sebas:
Das unterscheidet sich von Person zu Person innerhalb der Band. Ich kann hier allein für mich selbst sprechen, und kann sagen das der Glaube der Götter in meinem täglichen Leben eingefügt ist. Ich sehe mich selbst als Heide/ Asatru. Das bedeutet das ich unter anderem in die Kraft der Natur und der Götter glaube, und dass alles Eins ist. Für mich gibt es keinen Grenze zwischen dem täglichen und dem spirituellen Leben, wie soll es auch wenn alles miteinander verbunden ist.
Das schöne an dem Glauben ist meiner Meinung nach, dass alles ein organisch entstandener Glaube ist, die Weisheit von tausend vielleicht sogar tausender Jahren ist darin verarbeitet. Es ist ein flexibler Glaube der sich anpassen kann an Platz, Zeit, Landschaft, Bräuche und Gewohnheiten, so wie Kultur.
Es verpflichtet zu nichts, aber gibt dir die Möglichkeit, von Geschichten und Sagen zu lernen sowie für dich selbst, und deinen Glauben und dich mehr mit deinen Vorfahren zu verbinden, ebenfalls mit deiner heutigen Sippe und die Natur um dich hin. Die Götter Ostara, Donar und Nehalennia sind also im Prinzip nicht etwas aus der Vergangenheit, ihr Name und Vorkommen vielleicht, aber das Konzept und die Naturgewalten die sie abbilden, sind für immer.
Letztens war ich bei einem rekonstruierten, so sagt man zumindest, Nehalennia Tempel in Colijnsplaat am Meer.
Was mir auffiel war, das dieser Tempel unheimlich viele moderne Aspekte hatte. So wie zum Beispiel grosse Glasfenster und Skulpturen von Nehalennia in modernem Stil.
Als Rekonstruktion fand ich es deshalb nicht sonderlich geglückt. Was ich allerdings wirklich interessant und schön fand war die Tatsache das sehr viele Opfer gebracht worden sind von den örtlichen Fischern.
Vielleicht auch Heiden oder anders, nach dem Motto; kann ja nicht schaden. Der Tempel hat also seine Funktion als Anbetungsplatz für Nehalennia auf eine moderne Art wieder zurück erhalten.
Und dann gibt es noch das moderne Heidentum – großartig! Ich bin übrigens Mitglied bei der grössten niederländischen Heidentumgruppe, in der ich das Organisieren der Jahresfeste sowie wichtiger interner Dinge übernehme.

Otti:
In all den Naturreligionen vermischen sich ja gerne auch Geschichten, Gottheiten tauchen mit unterschiedlichen Namen, aber ähnlichen Bedeutungen, in verschiedenen Kulturen auf. Was ist für euch das verbindende Glied all dieser alten Glaubensgemeinschaften? Und wie kommt es, dass gerade das tot geglaubte Heidentum in den letzten Jahren so eine starke Renaissance erlebt?

Sebas:
Wie ich bereits oben erklärt habe sind meiner Meinung nach die Götter Bildnisse der Naturgewalten. Einige sind regionenabhängig, andere sind über die ganze Welt verteilt. So soll zum Beispiel eine Dürre mehr in Indien als in den Niederlanden vorkommen. Und ein Schneesturm soll eher in Schweden als in England zuschlagen. Natürlich gibt es bestimmte Götter die in einigen Gebieten mehr vereehrt werden als andere. Und natürlich hat sich ihr Erscheinungsbild mit der Zeit verändert und damit an die lokale Natur und Kultur angepasst.
Warum das Heidentum wieder auflebt, liegt vermutlich daran dass Christentum immer weniger Einfluss hat. Man kann selbst wählen ob man etwas spirituelles tut oder nicht. Und dann kann jeder selbst entscheiden und suchen welche Möglichkeiten man hat.

Otti:
Wenn ihr euch irgendeinen beliebigen Gott aussuchen könntet, um mit diesem eine Nacht durchzufeiern - Welcher wäre das, und wieso?

Sebas:
HAHA um eine Nacht durch zu feiern würde ich Donar auswählen. Ich höre gern seine Heldengeschichten von Gefechten mit Riesen und Trinkwettstreiten. Auch wenn ich vermutlich verlieren würde, würde ich gern sehen wie weit ich komme. ;)

Otti:
Aktuell dominiert ja das Thema Kindesmissbrauch in christlichen Einrichtungen die Medien. Was denkt ihr über diese Vorkommnisse und den Umgang der Kirchenoberhäupter damit?

Sebas:
Das bekommt man davon wenn man junge Männer, die ihre Sexualität noch entwickeln, fragt, sich gegen ihre menschliche Natur zu entscheiden und keinen Sex mehr zu haben für den Rest ihres Lebens. Leider greifen einige sich dann was ihnen in die Hände kommt, und das sind Kinder. Natürlich ist es auch ein Machtspiel. Tja und die Kirche geht damit so um wie sie es immer tut wenn es um menschliche Dinge geht: So lang wie möglich ignorieren.
Persönlich kann mir das ganze kirchliche Organ gestohlen bleiben, ich finde es nur schrecklich für die Kinder und ihre Familien, ihre Ehre ist geschändet!

Otti:
Nochmal zu eurer Musik: Ich stell es mir immer unglaublich schwierig vor, mit sechs Leuten Songs so zu komponieren und zu konstruieren, dass sie sich toll anhören - Zumal ihr ja altertümliche Instrumente mit Metal vermischt. Könntet ihr vielleicht mal am Bespiel von Alvermans Wraak beschreiben, wie der Song von der Grundidee bis zum fertigen Stück entstanden ist?

Sebas:
Lieder schreiben geht bei Heidevolk genauso wie jeder andere Prozess, genau wie in dem Dorf von Asterix & Obelix; überall Fäuste und Hämmer, festgebundene Sänger und rumfliegende Fische (die im übrigen wirklich verdorben sind). Reamon und ich sind als Gitarristen natürlich scharf auf so viele Solos wie möglich. Es gab einen Moment in dem wir so einige Lieder mit Solo’s vollgestopft hatten, das der Rest sagte: wenn ihr unbedingt so viele Solos haben wollt, dann macht ihr das in eurem eigenen Lied. Was natürlich eine grandiose Idee war und Reamon und ich haben sofort mit dem Schreiben für Alvermans Wraak begonnen. Die Sänger singen in dieser Nummer auch nicht, so ist in diesem Lied viel Platz für unsere Solo’s :D


"Später soll man einmal erzählen, die Weltherrschaft hat in Geldern begonnen!"

Otti:
Für dieses Jahr sind bei euch ein paar Festivalauftritte geplant, eine weitere Tour scheint aber nicht anzustehen. Oder ist da was in Planung? Was steht ansonsten für die nächsten Monate bei euch an?

Sebas:
Mittlerweile ist ebenfalls eine Tour geplant. Die Heidenfest Tour die von September bis Oktober durch ganz Europa geht, um genau zu sein. Zusammen mit Ensiferum, Swashbuckle und verschiedenen Special Guests. Ansonsten werden natürlich viele neue Auftritte dazukommen um unsere neue CD zu präsentieren. Im übrigen haben wir auch einen neuen Videoclip online zu der Nummer Nehalennia. Natürlich auf Youtube.

Otti:
Mal angenommen einer unserer Leser will mal das Gelderland bereisen, um sich näher mit der Kultur und Sagenwelt unserer Region zu befassen. Welche Orte und Sehenswürdigkeiten sollte derjenige auf so einem Trip auf jeden Fall besuchen?

Sebas:
Die Veluwe - Das grösste Naturgebiet in Europe und das grösste angeschlossene Heidegebiet. Von dort kommen ebenfalls viele Sagen über Riesen, Alvermannen (eine Mischung aus Elfen und Troll), Nornen und andere mythologischen Wesen. Und die Bar "De Beugel" in Arnheim - unsere Stammbar, in der wird nämlich übernatürlich viel gesoffen ;) - die Sagen und Heldengeschichten der Zukunft. Haha

Otti:
Eine Frage die ich mir grad einfach nicht verkneifen kann: Wer wird dieses Jahr Fußball-Weltmeister?

Sebas:
The Chicago Bulls, ohne Zweifel! Wetten?

Otti:
Um noch ein wenig mehr über euch zu erfahren, schreibt doch mal spontan eure gedanken zu folgenden Schlagwörtern nieder:

Sebas:
- Königin Beatrix: "Wenn sie, mit blutigem Hintern nach dem Sex, für mich ein Bier holt, dann denk ich: JA sie ist auch echt MEINE Königin" - Zitat Hans Teeuwen, holländischer Kabarettist
- Honigwein: Abende an die ich mich nicht mehr erinnern kann
- Das iPhone: Schönes Spielzeug
- Google: www.googoth.com
- Michael Schumacher: Er schuldet mir noch ein 6sec- Auto

Otti:
Ich bedanke mich schonmal herzlich für eure Antworten. Die letzten Worte sollen aber euch gehören:

Sebas:
Danke für das Interview! Unsere Gruesse an Geldern und alle unsere Fans!

Mit freundlichen Grüssen,

Sebas Bloeddorst

www.heidevolk.com

15.04.2010 by Otti
Heidevolk in unserer Band- und Künstlerdatenbank

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