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LEAVES´ EYES: Hardråde und der "Viking Spirit"

Leaves´ Eyes - Alex Krull

Mit ihrem neuen Album The Last Viking haben Leaves´ Eyes einen neuen Meilenstein gesetzt. Im Rahmen meiner Arbeit für das Legacy-Magazin konnte ich Frontmann Alex Krull und Gitarrist Thorsten "Tosso" Bauer ausführlich zu ihrem neuen Werk befragen. Die entsprechende Story findet Ihr in der Ausgabe #129 des Legacy. Die beiden haben zudem soviel spannendes erzählt, dass mal wieder längst nicht alles ins Heft gepasst habt - alle Antworten, die ich dort nicht unterbringen konnte, lest Ihr in folgendem Interview-Auszug:

Otti:
Zwei Jahre ist es nun her, dass ihr mit Sign Of The Dragonhead das erste Studioalbum mit Elina am Mikro veröffentlicht habt. Rückwirkend betrachtet - was waren die schönsten Reaktionen und Komplimente, die Ihr in Bezug auf SOTD und die damals noch recht neue, weibliche Stimme bekommen habt?

Alex:
Eigentlich ging das ja schon gleich mit der EP Fires in the North los, die wir mit Elina direkt 2016 aufgenommen hatten, und die Feedbacks darauf und bei unseren Touren in Europa, USA, Asien und weltweiten Festivals waren wirklich klasse!

Tosso:
Ja genau, bereits vor der Veröffentlichung von Sign of the Dragonhead haben viele Fans bei Livekonzerten von der Power und Bühnenpräsenz von Elina geschwärmt. Zudem würde die Band mehr als Einheit rüberkommen. Ich denke, diese Dinge sind auch exakt auf dem Album Sign Of The Dragonhead herauszuhören.

Otti:
An welchem Punkt des Produktionsprozesses wart Ihr, als die Pandemie über uns kam? Und welchen Einfluss hatte dies auf die Arbeiten am Album?

Tosso:
Die Pandemie war tatsächlich eine ziemliche Herausforderung und traf uns just in dem Moment, als Elina mit den Recordings ihrer finalen Gesangsspuren für alle Songs begann. Unser Schlagzeuger Joris verweilte zu der Zeit in der Schweiz und hat es um 1 1/2 Stunden gerade noch über die Grenze nach Deutschland und dann in Richtung Mastersound Studio geschafft.

Alex:
Wir haben uns dann allesamt in einen "Studio Lockdown" zurückgezogen, uns dort auf die Musik konzentriert und das absolut Beste aus der Situation gemacht. Auch das Cover-Shooting mit Heile war eine große Herausforderung, und wir mussten einiges improvisieren und flexibel arbeiten. Dabei bekamen wir sehr viel Unterstützung von meinen Freunden aus der Wikinger Reenactment Szene! Glücklicherweise sind wir alle gesund geblieben und konnten alles zur vollster Zufriedenheit fertigstellen. Eigentlich hätte unsere spezielle Release-Show zum Album beim Summer Breeze 2020 über die Bühne gehen sollen, aber dank des garstigen Covids wurde daraus nichts. Nun freuen wir uns auf den Album-Release am 23. Oktober.

Otti:
Gab es sonst unerwartete Rückschläge und/oder Herausforderungen, die Ihr auf dem Weg zur Fertigstellung von The Last Viking bewältigen musstet?

Alex:
Wir hatten wegen der Videodrehs zu Dark Love Empress und Chain of the golden Horn in der Schweiz und in Polen ein Zeitfenster mit einer Lockerung der Reisebeschränkungen abwarten müssen, so dass wir tatsächlich innerhalb von ein paar Tagen beide Videos nacheinender gedreht haben und zwischendurch über 16 Stunden von der Schweiz nach Polen zu den jeweiligen Drehorten gereist sind. War ein ganz schöner Ritt. Auch bis Clementine von Visions of Atlantis bei uns ins Mastersound Studio kommen konnte, hat es bis zur Abgabe des Masters gedauert und die Guest Vocal Session fand in letzter Sekunde statt. Die Recording Session war aber eine tolle Sache! Alle waren am Ende happy haha!

Tosso:
Vor den eigentlichen Aufnahmen zu The Last Viking haben wir unser Studioequipment auf den neuesten Stand gebracht, was natürlich Zeit und Geld gekostet hat, sich aber mit The Last Viking und auch in Zukunft mehr als bezahlt machen wird. Ansonsten sind wir alle super zufrieden mit den Aufnahmen und dem Ergebnis! The Last Viking ist eine Killer-Scheibe geworden.

Otti:
Inhaltlich begebt Ihr euch einmal mehr in die Hochzeit der Wikinger, diesmal steht Harald der III. Im Mittelpunkt eurer Lyrik. Welche Bedeutung hatte der gute Mann aus Eurer Sicht geschichtlich?

Alex:
Mit dem Tod von Hardråde im Jahr 1066 geht das Wikingerzeitalter zuende. Er steht somit am Ende einer großen Epoche und hatte ein bewegtes Leben. Das Album startet mit der Szenerie von Hardradas Tod in der Schlacht an der Stamford Bridge, im Kampf um die englische Krone, und sein ganzes Leben zieht nochmals an ihm vorüber. Als junger Mann mußte er aus Norwegen fliehen, reiste in die östliche Welt, diente in der Waräger-Leibgarde am Kaiserlichen Hofe von Byzanz, um schließlich doch König von Norwegen zu werden. Diese Saga passt wie die Faust aufs Auge zu der musiklischen Welt von Leaves´ Eyes, und so manigfaltig und spektakulär wie die Saga ist, wollten wir das auch musikalisch umsetzen.

Otti:
Wenn Ihr ein Album wie The Last Viking zusammenstellt, welchen Einfluss haben musikalische Spannungsbögen, aber auch inhaltliche Chronologien oder ähnliches auf die letztliche Gesamtstruktur?

Alex:
Ich habe anfangs einer neuen Produktion schon Ideen im Kopf, wie ein textliches. musikalisches und visuelles Konzept für das nächste Leaves´ Eyes Album aussehen könnte. Auf Sign of the Dragonhead war ja mit dem letzten Song des Albums Waves of Euphoria bereits ein schöner Hinweis auf The Last Viking, da der Song schon um die Heldentaten von Hardråde ging. Der DieHard-Leaves´ Eyes Fan konnte sich also schon denken, wo die Reise hingehen könnte, haha.

Tosso:
Wenn es Demoversionen im Rohzustand von den meisten Songs gibt, macht sich Alex in der Regel daran, die Songs an das Konzept anzupassen, sie in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, so wie das bei einem Konzeptalbum sein muß. Für den Titelsong The Last Viking beispielsweise musste es sich auch musikalisch um ein bewegtes, episches, düsteres Stück mit vielen Wendungen und atmosphärischen Wechseln handeln, um dem Kampf und Leben von Hardrada auch wirklich gerecht zu werden. Das ist uns denke ich mal sehr gut gelungen.

Otti:
Was waren Eurer Ansicht nach die wichtigsten Eckpunkte im Leben von Hardråde? Und in welchen Songs, bzw auf welche Art sind diese im Album verarbeitet?

Alex:
Wir haben uns tatsächlich ein paar sehr interessante und einschneidene Etappen aus Hardrådes Saga ausgesucht! Im Song For Victory geht es um seine Flucht aus Norwegen und seine Heldentaten in seiner Zeit im Königreich der Rus im Dienste des Rus-Königs Jarsolav. Dessen Tochter Prinzessin Ellisif nimmt sich Hardrada später auch zur Frau, nachdem er als wohlhabender Kriegsherr der Waräger Garde aus Byzanz an den Hof von Jaroslav zurückkehrt und mit ihr nach Norwegen geht, und um die Krone Norwegens zu ringen. Davon handelt Black Butterfly. Haralds Zeit in Byzanz bekommt eine besondere Aufmerksamkeit. Da ist alles drin, von Abenteuern und Heldensagen in fernen Ländern. Wie in dem Song Serkland, im Land der Sarazenen, oder Flames in the Sky, bei dem Hardrådes gewiefte Kriegstaktiken, mit entflammten Vögeln zur Eroberung einer unneinnehmbaren Festung, eine wichtige Rolle spielen. Bis hin zu Intrigen am Hofe von Byszanz wie die unerwiderte Liebe zu Kaiserin Zoe (Dark Love Empress), die er verschmäht, und sie ihn dafür wegen angeblicher Untreue einkerkern lässt. Hardardas spektuläre Flucht aus Miklagard (Konstantinopel, heute Instanbul) und Überwindung der riesigen Eisenkette des Goldenen Horns mit zwei Schiffen - wobei eines an der Kette zerschellt - bei der Harald laut Saga aus der Gefangenschaft flüchtet und den Kaiser auf der Flucht blendet, zu sehen und zu hören im Videoclip Chain of The Golden Horn. Dann das Ringen um die Krone Norwegens in Two Kings One Realm und Dänemarks im Song Serpents and Dragons, über eine große Seeschlacht mit hunderten Langschiffen. Der Titel umschreibt die Bezeichnung der jeweiligen gegnerischen Langschiffe, "Ormen" von Hardråde und "Drekanum" (Drache) Schiff des Dänenkönigs. Die Saga von Hardråde ist eine derart abenteuerliche Geschichte, die durchaus einer Game Of Thrones-artige Serie würdig wäre, und mit der Schlacht um die englische Krone 1066 endet (War of Kings / The Last Viking). Starke Frauen und das mystische Element sind bei all dem Ganzen auch ein wichtiger Teil der Songs und des Konzepts, denn viele unheilvolle Dinge und Prophezeiungen sowie Übersinnliches aus der nordischen Mythologie (Break Into The Sky Of Aeon) werden hier auch auf dem Album verarbeitet.

Otti:
Wenn Ihr nun die Probleme der Gegenwart mit den Sagen und Legenden über die Wikinger vergleicht, was kann man von den alten Helden lernen?

Alex:
Die Wikinger haben ihre Spuren in nahezu ganz Europa hinterlassen und unseren Kontinent somit auch näher zusammengebracht. Sie waren definitiv mutig, unerschrocken, abenteuerlustig. Ein bisschen mehr Mut und Zuversicht würde uns heutzutage sicher auch gut zu Gesichte stehen, um die aktuellen Herausforderungen anzugehen. Ich bin ja auch selbst Schwertkämpfer in der Wikinger Szene und mit vielen Viking Reenactorn aus aller Welt befreundet und Mitglied in der größten modernen Wikinger Armee "Jomsborg". Auf der über 90 minütigen Doku Viking Spirit, die nun mit dem neuen Album zusammen erscheint, kann man in diese Welt eintauchen, in der die moderne Welt entschleunigt wird und man sich auf vieles ursprüngliches besinnt und alte Werte neu erfahren kann. Viking Spirit wurde in einem Zeitraum von 5 Jahren rund um den Globus gefilmt und zeigt die Verschmelzung von Nordischer Mythologie, Viking Lifestyle und der Musik von Leaves´ Eyes. Auch der Soundtrack mit 10 extra Stücken, den wir zusammen mit Composer Jonah Weingarten dazu gemacht haben, ist echt super schön geworden.

Otti:
Und abschließend gefragt: Wer sind für Euch die Helden der Moderne?

Tosso:
Ich finde den Triathleten Jan Frodeno sportlich als auch menschlich ziemlich cool.

Website:
www.leaveseyes.de

Art des Interviews: Email
27.10.2020 by Otti
LEAVES´ EYES in unserer Band- und Künstlerdatenbank

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