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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Solar Fake

"The Lost Interviews - Part 1"... So könnte man es auch nennen ja. Irgendwie sind nämlich im Herbst/Winter 2007 insgesamt 4 geführte Interviews bei der Bearbeitung in dunklen Kanälen hängengeblieben, und werden jetzt so nach und nach aufgearbeitet. ;)
Den Anfang macht dieses schöne Telefongespräch hier, welches ich im Dezember mit Sven Friedrich führte. Thema waren aber nicht seine altbekannten Bands Zeraphine oder Dreadful Shadows, sondern sein ganz neues Soloprojekt. Dieses hört auf den Namen Solar Fake, und ist ein rein elektronisches Phänomen... Ungewöhnlich für Sven? Nein. Wieder einmal mehr beweist dieser Künstler seine Vielschichtigkeit und Kreativität.

Otti:
Im Vergleich zu vielen deiner Musikerkollegen bist du recht spät dran mit deinem Soloprojekt. Warum hast du deine Fans so lange auf ein Sven-Friedrich-Only warten lassen, und was bedeutet Solar Fake für dich persönlich?

Sven:
Für mich ist das einfach mehr oder weniger die Erfüllung eines Traumes, nämlich mal ein komplett elektronisches Album zu machen. Ich spiele seit 1994 professionell in Rockbands und hab aber schon lange ein Leidenschaft für elektronische Musik, und die hab ich mir jetzt endlich mal erfüllt. Das hat so lange gedauert, weil ich einfach bisher nicht wirklich die Zeit dafür hatte - vielleicht auch nicht den Mut. Ich weiß es nicht genau, sowas ist immer ein bisschen schwierig zu beantworten. Ich hatte jetzt letztes Jahr einfach mal wirklich die Zeit, mich damit näher zu befassen, und das mal auf den Weg zu bringen.

Otti:
Anfang Februar wird das Album dann auch erscheinen. Solar Fake ist ja jetzt dein Debüt, daher wird das dann ja etwas Besonderes sein für dich, denk ich. Wir verbringst du die Zeit bis dahin, welche Gefühle begleiten dich derzeit?


"Was ich jetzt dringend machen wollte, das hab ich gemacht."

Sven:
Momentan hab ich ehrlich gesagt noch gar keine Zeit nervös zu sein, weil ich gerade die Liveshows von Solar Fake vorbereite. In zwei Wochen gibt es das erste Konzert, die Releaseparty in Berlin ist dann direkt am Tag der Veröffentlichung am 1. Februar, und da ist echt noch so viel zu machen. Da muss noch irgendwie ein Keyboardständer gebaut werden und ich muss die letzten Minuten der Videoprojektion noch zuschneiden und so. Insofern ist mein Kopf sowieso total voll. Ich bin einfach gespannt, wie das so angenommen wird. Es gab jetzt schon ein paar Mal die Möglichkeit mal so in das Album reinzuhören, gestern z.B. bei einer Internetradio-Sendung, und ich hab es auch schonmal in einem Club vorgestellt. Bis jetzt sind die Resonanzen extrem positiv. Das freut mich natürlich sehr, aber man muss halt abwarten was passiert, wenn die Leute es dann wirklich mal hören können.

Otti:
Du meintest ja gerade schon, die erste Liveshow ist in zwei Wochen und hast die Videoprojektion erwähnt. Wie sieht es denn sonst so aus, wie wirst du das live umsetzen? Wirst du allein auf der Bühne stehen oder sind da noch andere Leute dabei?

Sven:
Ich hab noch einen Menschen dabei, der teilweise Keyboard spielt und teilweise die Videoprojektion startet. Der bedient dann quasi die Maschinen. Das find ich irgendwie besser, weil ich kann nicht alles alleine machen. Also im Studio und beim Songs schreiben ist es toll, mal ganz allein zu arbeiten, das ist auch mal eine neue Erfahrung, aber live ist es schon besser wenn man noch jemanden hat, der da mithilft.

Otti:
Also ich hab mir das Album auch schon angehört und ich finds auf jeden Fall sehr abwechslungsreich und auch sehr vielschichtig. Was hat dich denn allgemein inspiriert bei deinen ersten rein elektronischen Songs?

Sven:
Ich höre halt sehr viel unterschiedliche elektronische Musik, schon größtenteils zu dieser Düsterszene zugehörig. Aber da gibt´s ja auch viele verschieden Sparten, sag ich mal. Und ich mag halt von allem etwas, deshalb wollt ich mich da auf gar keinen Fall irgendwie festlegen und einen Sound komplett auf dem Album durchziehen. Ich mag es einfach, wenn das Songwriting abwechslungsreich ist, das ist ja genauso bei Zeraphine oder bei Dreadful Shadows, da klingt ja auch nicht jeder Song wie der andere. Deshalb wollt ich das halt auch bei dem Projekt so umsetzen. Ich weiß nicht, es gibt ganz viele Inspirationsquellen von Musik, von so Sachen wie Depeche Mode oder De/Vision, bis hin zu Combichrist, :Wumpscut: oder sowas. Dadurch ist wohl doch ein recht abwechslungsreiches Album rausgekommen, würd ich sagen.

Otti:
Ja doch, das kann ich bestätigen. Was mir allerdings aufgefallen ist: In unserer Szene gibt´s eben auch viele Puristen, die z.B. den guten alten Gothic Rock schon lange als ausgestorben sehen, oder die Elektro-Musik einfach überhaupt nicht mögen. Es ist ja auch normal, dass es verschiedene Geschmäcker gibt, aber da gibts dann auch relativ viele Streitereien. Wo siehst du die Gründe dafür, dass es immer noch so wenig Toleranz gegenüber den verschiedenen Stilrichtungen gibt?

Sven:
Ich weiß nicht, ich find das hat sich inzwischen alles relativ gut durchmischt. Also ich fand das in den 90ern viel viel schlimmer, und ich komm ja wirklich aus der Gitarrenecke irgendwie. So in den frühen bis mittleren 90ern hab ich angefangen auch elektronische Musik zu hören, da wurd ich schon öfter mal schief angeguckt. Das war halt in beiden Lagern, ein bisschen schwierig damals. Aber ich finde, dass sich das inzwischen ganz gut geändert hat. Ich seh ja auch auf Zeraphine-Konzerten Leute, die haben T-Shirts von Elektrokapellen an, insofern ist das alles gar nicht mehr so schlimm. Klar, es gibt immer Leute, die mögen halt nur Gitarre und können´s dann auch nicht akzeptieren, wenn dann jemand aus der Gitarrenecke kommt, der einmal Elektro macht, weil er´s ja eigentlich "gar nicht können kann".. Aber das ist mir eigentlich relativ wurscht, ehrlich gesagt.

Otti:
Wo du gerade den direkten Vergleich hast, findest du es schwieriger elektronische Musik zu kreieren oder Gitarren-/Rockmusik? Weil die einen sagen ja, ein Instrument zu lernen ist wesentlich schwieriger als so´n bisschen aufm Computer rumzuspielen, und die anderen widerum sind der Meinung, einen Computer zu beherrschen ist wieder eine Kunst für sich.

Sven:
Ich sehe das auf beiden Seiten ähnlich. Ich hab da den Vorteil, ich hab einige Instrumente gelernt. Angefangen hab ich mit Gitarre, dann Klavier, Schlagzeug und Gesang und so. Es ist natürlich immer gut, so einen Background zu haben. Also ich würde jetzt nicht sagen dass das eine schwieriger ist als das andere, es bietet halt beides unterschiedliche Herausforderungen. Wenn man Songs für Bands schreibt, muss man eben im Kopf haben, wie das am Ende klingen könnte, das heißt also auch, die Vorlieben der Mitmusiker zu kennen und darauf einzugehen. Wenn man komplett auf der elektronischen Ebene ist muss man wissen wie man was einsetzt, um zu dem zu kommen was man machen will. Ich bin nicht so der Freund vom Probieren bis dann durch Zufall mal was passt irgendwie, sondern ich hab die Ideen relativ komplex im Kopf und dann muss man halt sehen, dass man die so schnell es geht umsetzen kann, weil sonst verzählt man sich unterwegs, bevor man an dem Punkt angekommen ist wo man hinwollte.
Also ich find halt beides sehr sehr spannend auf seine Art.

Otti:
Ist Solar Fake für dich denn gleichberechtigt mit Zeraphine, oder wirklich nur ein Nebenprojekt?

Sven:
Das ist ein bisschen schwierig, ich hänge natürlich sehr an den Songs. Ich kann das jetzt echt schwer beantworten, beides sind halt sehr unterschiedliche Sachen. Ich hänge sehr an Zeraphine und genauso an Solar Fake, deshalb vielleicht könnte man beide Projekte als gleichberechtigt bezeichnen. Aber ich weiß gar nicht, ob ich so eine Wertigkeit überhaupt einführen will. Momentan ist natürlich Solar Fake für mich sehr, sehr wichtig, weil das eben gerade veröffentlicht wird, und ich extrem gespannt bin, wie es ankommt. Wenn das ein bisschen abgeklungen ist, werde ich mich aber auch freuen, wieder etwas mit Zeraphine zusammen zu machen. Das wird sich dann wahrscheinlich abwechseln.

Otti:
Ich hab auch schonmal zusammen mit meiner Freundin ein E-Mail-Interview mit dir geführt zu Zeraphine, und da schriebst Du, es seinen nicht deine Geschichten sondern eher deine Empfindungen die du transportierst. Ist das bei Solar Fake auch so, oder sind die Texte da eher direkt auf dich bezogen?

Sven:
Ähm nee, das ist einfach mein Stil Texte zu schreiben. Ich mach das nach wie vor so, weil ich es so interessanter finde. Ich hab jetzt nicht so das Bedürfnis allen Menschen mitzuteilen, was mir tatsächlich widerfahren ist, sondern ich möchte eigentlich eher die Gefühle, die ich habe, wenn der Song läuft, beim Hörer hervorrufen, und das versuche ich nach wie vor irgendwie so umzusetzen.

Otti:
Welche Gedanken sind es konkret, die dir am meisten Hoffnung im Leben bringen?

Sven:
Ach, das ist ganz unterschiedlich. Hängt natürlich immer so ein bisschen davon ab, was mich grade sehr beschäftigt. Ich beobachte zum Beispiel oft Leute, also Menschen die ich gut kenne, aber auch solche die ich weniger gut kenne. Wenn ich Entwicklungen mitbekomme, oder wenn man über jemanden erfährt, dass er ein wahnsinniges Problem hat, von dem man als Außenstehender nix mitbekommt, das sind Sachen die mich sehr beschäftigen. Oder beispielsweise charakterliche Veränderungen von Leuten. Da stellt sich dann unter anderem die Frage im Hintergrund, ob derjenige sich so geändert hat, oder vielleicht sogar man selbst.

Otti:
Dazu passt doch gleich eine Frage, die ich mir hier notiert habe. Und zwar schrieb Nietzsche einmal "Meine stärkste Eigenschaft ist die Selbstüberwindung. Aber ich habe sie auch selber am meisten nötig." Gibt es auch noch Eigenschaften an dir, die dich daran hindern dich noch weiter zu entfalten?

Sven:
Naja, ich mache zur Zeit genau das was ich immer machen wollte, und damit bin ich eigentlich sehr zufrieden. Also es gibt jetzt nichts, was auf irgendeiner Liste in meinem Kopf stehen würde, was ich unbedingt noch machen will, sondern das hab ich jetzt grad erledigt mit Solar Fake. Ich bin jetzt nicht so der Typ, der Jahre im Vorraus plant, sondern ich bin eigentlich eher spontan, wenn man das so sagen kann. Insofern lass ich sowieso immer einfach alles auf mich zu kommen. Was ich jetzt dringend machen wollte, das hab ich gemacht, und jetzt schaun wir mal, wies weitergeht.

Otti:
Das nächste kommt bestimmt.

Sven:
Ja, ich geh davon aus.

Otti:
Es ist ja grad ziemlich genau Weihnachten, und da ist die Frage eigentlich fast obligatorisch: Wie verbringst du die Feiertage, wie wichtig sind dir Feste wie Weihnachten und Silvester?

Sven:
Ist mir alles eigentlich gar nicht so sehr wichtig muss ich sagen. Klar, es ist natürlich schön... man trifft sich stressfrei mit den Eltern, das ist ganz nett, aber ansonsten bin ich da eigentlich ganz zufrieden wenn ich so halbswegs mal ausspannen kann. Aber sonst ist da ja sowieso nichts los, alle sind im Urlaub oder so. Ich selbst kann dieses Jahr nicht in Urlaub fahren, ich hab nen neuen Hund und insofern werd ich da zu Hause sein denk ich. Sonst find ichs auch immer ganz nett wenn man über die Feiertage wegfährt in irgendeine verlassene Gegend. Sowas ist meistens ganz angenehm, weil in dieser Zeit verpasst man eh nix, also kann man da wirklich versuchen so ein bisschen zu entspannen.

Otti:
Du erwähntest ja grade deinen Hund, und mein Kater macht auch grade Terror hier. Hast du sonst noch irgendwelche Haustiere?


"Live ist es schon besser wenn man noch jemanden hat, der da mithilft."

Sven:
Nee. Mein alter Hund ist im letzten Januar gestorben, also fast nen Jahr her, und jetzt haben wir wieder eine neue und die nimmt einen auch ganz schön in Anspruch.

Otti:
Kann ich mir vorstellen, ist ja wahrscheinlich auch noch ein Jungtier.

Sven:
Jaja, so halbwegs jung. Also wir haben sie aus dem Tierheim und die war da ungefähr ein Jahr alt oder so. Ist zwar etwas anstrengend, aber sehr toll.

Otti:
Dann noch aus persönlichem Interesse, wie siehst du heute den Musikjournalismus und was vermisst du dort am meisten?

Sven:
Ich würde lieber erstmal damit anfangen was ich daran gut finde. Ich finde es im Prinzip ganz toll, dass gerade der Musikzeitschriftenmarkt sich doch so abwechslungsreich gestaltet. Wenn man sich so zurückerinnert, früher gabs die Bravo und noch ein paar Klone davon, das wars auch. Heute gibts für jede Ecke, für jede Nische ein Heft, oder teilweise sogar mehrere Hefte, durch dieman auf neue Bands gebracht werden, bzw wo Interesse an neuer Musik geweckt werden kann, und das find ich sehr toll. Das Problem ist wahrscheinlich häufig, dass da auch nie so viel Geld dahinter steht, dass man vernünftige Journalisten bezahlen kann, was dazu führt, daß dabei manche Autoren sehr komisches Zeug schreiben.
Aber das find ich erstmal vernachlässigbar, wichtiger sind die Möglichkeiten, die diese Vielfalt bietet. Und wenn man in einer bestimmten Szene zu Hause ist, dann weiß man beim Kauf eines Heftes oder beim Besuch eines Online-Magazines was der jeweilige Schreiber bevorzugt. Man entwickelt dann ein Gespür dafür, daß wenn derjenige etwas toll findet, sollte ich mal da reinhören, schliesslich hat er einen ähnlichen Geschmack wie ich. Diese Optionen finde ich sehr, sehr wertvoll.

Otti:
Dann kommen wir auch schon zum Abschluss. An welchen Menschen aus deiner Vergangenheit erinnerst du dich besonders intensiv und was würdest du ihm oder ihr gerne sagen?

Sven:
Schwierig, schwierig, schwierig... Ich erinnere mich sehr intensiv an... aber das kann ich eigentlich gar nicht ausbreiten, weil den Menschen kennt man sogar. Das ist so ein bisschen schwierig, ich würde des jetzt ungern öffentlich machen ehrlich gesagt, das ist zu kompliziert.

Otti:
Etwas sehr persönlich?

Sven:
Ja, ziemlich. Das ist ein sehr guter Freund von mir gewesen mal und der ist irgendwann ganz böse abgestürzt könnte man sagen. Aber den seh ich auch von Zeit und Zeit und da kann ich dem dann auch selber mitteilen, was ich denke.

Otti:
Okay. Möchtest du sonst noch was loswerden?

Sven:
Naja höchstens, ich weiß ja nicht wann das hier erscheint...

Otti:
Ich denk mal hoffentlich noch vor Silvester.

Sven:
Ja dann bleibt mir auf jeden Fall, ein wunderschönes neues Jahr zu wünschen.

www.solarfake.de

Art des Interviews: Telefon
18.12.2007 by Otti
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