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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Persephone

Klassische Instrumente, bezaubernde Vocals, faszinierende Arrangements... Das sind nur Attribute, aber sicher keine umfassende Beschreibung, dessen, was Persephone ausmacht.
Das Gesamtwerk dessen, was Sonja Kraushofer (L'âme Imortelle), Martin Höfert (Janus) und ihre Mitstreiter hier musikalisch und künstlerisch geschaffen haben, ist in dieser Form sicher einzigartig, und so wundert es nicht, daß dieser jahrelange Geheimtipp zunehmend ins Licht der Öffentlichkeit gerät. Selbst erst durch das neueste Werk Letters to a stranger auf das Projekt aufmerksam geworden, konnte ich es mir natürlich nicht entgehen lassen, die beiden Hauptprotagonisten mal ein wenig per E-Post auszufragen...

Otti:
Hallo Sonja, hallo Martin. Auch wenn Persephone schon ein paar Jährchen existiert, es gibt unter unseren Lesern sicher noch einige, denen ihr kein Begriff seid. Daher sagt mir doch bitte, welcher Grundgedanke steckt hinter diesem Projekt, und was hat euch dazu bewogen, Persephone zum Leben zu erwecken?

Sonja:
Persephone wurde im Sommer 2000 von Tobias Hahn, Dirk "RIG" Riegert (beide Janus) und mir ins Leben gerufen. Wir haben damals unser L'âme Imortelle Album "Dann habe ich umsonst gelebt" bei Toby aufgenommen und so lernte ich ihn kennen.
Mein Interesse und meine Vorliebe für echte Instrumente wurden immer stärker. Ich wollte Musik machen, die sich verstärkt den ruhigen und leisen Tˆnen widmet und sehr von Melancholie und Atmosphäre getragen wird.
Toby und ich kamen ins Gespräch und schließlich trafen wir uns nach der LAI-Produktion gemeinsam mit RIG und Martin, um an den ersten Skizzen zu arbeiten.
Plötzlich stand der Gesang, meine Stimme mehr im Vordergrund, es gab mehr Raum zum Experimentieren und ich verfasste zum ersten Mal eigene Texte. Nach unserer limitierten EP "Still..." die im Januar 2003 erschienen ist, zogen sich RIG und Toby aus zeitlichen und beruflichen Gründen aus dem Projekt zurück. Seither sind Martin und ich für die Albumproduktionen zuständig.


"Sehnsucht ist für mich ein sehr positiver Begriff, Sehnsucht bedeutet Leben..."

Otti:
Ihr beide seid ja nun die musikalischen Köpfe von Persephone, würde ich sagen. Aber auch andere Musiker wie Holger Wilhelmi, Johannes Kramer und John Abdelsayed sind ein Teil des Projektes. Wie ist denn die Rollenverteilung, und wieviel Einfluss hat jeder Einzelne auf die Entstehung und Ausarbeitung des Materials?

Martin:
Es ist so, dass Sonja und ich das ganze vorgeben. Raum für die Kreativität des einzelnen gibt es jedoch trotzdem. John ist beispielsweise mehr oder weniger auf sich allein gestellt, wenn wir ihn aufnehmen - auch wenn wir schon wissen, an welchen Stellen die Percussions auftauchen sollen, so ist es doch er, der sich überlegt, was er dort spielt… Und dann kommt es auch mal vor, dass er noch an ganz anderen Stellen seine Trommeln zum Einsatz bringt, vielleicht auch dort, wo wir gar keine geplant hätten. Und je nachdem können wir sie beibehalten oder auch nicht. Was die Streicher angeht ist es natürlich nicht so einfach, da sie ja als "ein" Instrument fungieren. Da kommt man um eine genaue Ausarbeitung nicht herum.

Sonja:
Im Endeffekt sind es aber Holger, Johannes und John, die uns helfen unsere Ideen umzusetzen und sich selbst auch sehr auf die Sache einlassen, darin aufgehen und die Songs so gemeinsam mit Martin und mir auf Tonband, bzw. auf die Bühne bringen.

Otti:
Mit "Letters to a stranger" hat nun das vierte Persephone-Album das Licht der Welt erblickt. Was waren euere persönlichen Emotionen und Ambitionen während der Entstehungszeit?

Sonja:
Das Thema zu "Letters to a Stranger" spukte schon vor der Veröffentlichung von "Mera Sangeet kho gaya" in unseren Köpfen herum. Wir wollten uns aber bewusst Zeit lassen und die Ideen erst reifen lassen. Wir haben ca. 2 Jahre lang Songskizzen und Textideen gesammelt, bis wir uns überhaupt zum ersten Mal gemeinsam an die Demos des Albums machten.
Während der Entstehungsphase war alles natürlich sehr entspannt, da machen wir uns eigentlich nie Druck. Gut soll`s werden, das ist die Prämisse.

Martin:
Es hat natürlich wieder sehr viel Spaß gemacht, auch wenn es mindestens genauso anstrengend war: Die Freude über einen gelungenen Tag, an dem man einen Song fertig gestellt hatte wechselte sich mit der Enttäuschung, nach einem Tag im Studio ganz und gar ohne ein Ergebnis nach Hause zurück zu kehren ab. So gab es für mich persönlich im letzten Jahr längere Passagen, an denen gar nichts lief. Dann kam mal wieder eine zündende Idee, an der ich tüfteln konnte – schließlich ist man ja bestrebt, es möglichst gut zu machen. Und je mehr man plötzlich an Songmaterial hatte, desto einfacher kam man dann auch voran. Ohne Frage waren die Orchesterarrangements eine große Herausforderung.

Sonja:
Ein sehr ehrwürdiger Augenblick ist für mich immer die allererste Aufnahme-Session. Denn ab da muss alles bereit und gut geplant sein, ab da gibt`s kein Zurück mehr.
Nachdem Martin und ich alles selbst organisiert und die Aufnahmen zum größten Teil selbst gemacht und geleitet haben, bleiben Erschöpfung, Müdigkeit und schließlich der allseits bekannte Studiowahnsinn nicht aus. Diese Zustände wechseln aber natürlich mit dem schönen Gefühl der Zufriedenheit, der Euphorie und der völligen Hingabe ab. Was bleibt ist aber auch in diesem Fall der Studiowahnsinn. (lacht) Wie wir in den letzten Jahren feststellen mussten, tritt dieses Phänomen nicht zwingend nur im Studio auf...

Otti:
Ein Gefühl, welches "Letters to a stranger" hervor kitzelt, ist für mich die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren. Worin ist euerer Meinung nach dieses Verlangen begründet, welches doch viele Menschen zu fesseln scheint?

Martin:
Ich denke, jeder Mensch hat seine Träume und Wünsche, ganz für sich. Dem gegenüber steht die erlebte Realität. Und das persönliche Ideal im "richtigen Leben" umzusetzen ist nicht einfach - ein Scheitern ist meiner Meinung nach vorprogrammiert. Aber man gibt nicht auf, auch wenn man unzählige Male scheitert, denn der Traum ist immer noch da. Bis er erfüllt wird oder man sich resigniert zurückzieht. Da sich letzteres anfühlt, als sterbe etwas in einem ab, ist die Sehnsucht eine recht positive Motivation, möchte ich sagen. Man kann das ganze auch in dem Begriff "Romantik" zusammenfassen und jeder hat dabei seine eigenen Assoziationen…

Sonja:
"Die blaue Blume" ist das Hauptsymbol der Romantik, die blaue Blume steht für eine Sehnsucht, für ein Verlangen, das Unaussprechbar ist. Für eine Sehnsucht, die man rational nicht erfassen kann.
Das macht meiner Meinung nach die Faszination des "Unerreichbaren" aus. Bestünde die Möglichkeit es zu erreichen, an diesem Ziel anzukommen, würde es an Wert und an Schönheit verlieren... Denn nur die Dinge die wir uns nicht erklären können, die wir aber dennoch im Herzen tragen beschäftigen uns, wir denken darüber nach... Wir sind auf der Suche und lernen uns auf dieser Suche immer besser kennen. Sehnsucht ist für mich ein sehr positiver Begriff, Sehnsucht bedeutet Leben, sie ist ständiger Antrieb nach Vorne zu gehen und auf dem Weg das "Unerreichbare" zu erlangen, viele andere Dinge zu finden und zu erleben.
Sind nicht die unerfüllten Träume die Schönsten?

Otti:
Was meint ihr, wie es passieren kann, dass Menschen, welche tiefe Gefühle miteinander geteilt haben, intensive Gedanken ausgetauscht haben, sich manchmal plötzlich, manchmal schleichend, fremd werden?

Sonja:
Um Dir diese Frage zu beantworten, müssten wir entweder sehr weise, oder mindestens 300 Jahre alt sein, am Besten wohl beides... Oder ich wäre eine Hexe...
Nachdem aber leider nichts davon zutrifft, kann ich mich zu diesem Thema auch nur sehr wage äußern...
Ein großes Problem ist meiner Meinung nach die Zeit. Denn wir haben nur sehr wenig davon.
Alles ist sehr schnelllebig, jeder ist sich selbst am nächsten und möchte sich selbst verwirklichen... Auf diesem Weg, blickt man wohl kaum zurück oder auf seinen Partner, dazu ist keine Zeit. Wenn man dann glaubt alles erreicht zu haben und doch mal einen Blick zur Seite macht, findet man oft nicht mehr die Person vor, die man vor einiger Zeit zurückgelassen und vernachlässigt hat.

Martin:
Vielleicht denken sie, es gäbe nun nichts mehr zu entdecken, was es wert wäre, ausgetauscht zu werden? Vielleicht merken sie mit einem Mal, dass sie nur bis zu einem bestimmten Punkt miteinander übereinstimmen und dann das Gefühl haben, bisher nur an der Oberfläche gekratzt zu haben? Um ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht.

Otti:
Ihr seid beide schon mit anderen Musikprojekten (L'âme Imortelle/Janus u.a..) erfolgreich. Inwieweit hat euch das bei der Entwicklung und Promotion von Persephone geholfen?

Martin:
Natürlich hat es geholfen, keine Frage, schließlich haben wir ja Erfahrungen gesammelt und dazu gelernt. Das äußert sich darin, dass man zum Beispiel hinsichtlich der Planung weit reichender blicken kann oder ein wenig besser weiß, wie man die Präsentation umsetzen kann. Aber trotzdem: Man lernt nie aus.

Sonja:
Was unsere Erfahrungen im Musikbereich betrifft war es auf jeden Fall eine Hilfe, schließlich habe ich ja schon die ein oder andere CD mit L'âme Imortelle veröffentlicht...
Was die Promotion von "Letters to a Stranger" betrifft wissen wir dadurch natürlich auch was wir wollen und was nicht. Wenn Du aber darauf hinaus möchtest, ob es geholfen hat, weil man uns schon von anderen Projekten kennt, muss ich das eher verneinen. Ein bisschen natürlich schon, aber nachdem die Bands musikalisch zu unterschiedlich sind und eigentlich nichts gemein haben, sind wir mit Persephone schon immer auf uns/sie selbst gestellt.

Otti:
Wenn man heutzutage mit einer Band erfolgreich sein will, wieviel künstlerische Freiheit bleibt einem in eueren Augen dann überhaupt noch?

Martin:
Die Frage ist eher, wie viel man sich von der Freiheit nimmt, die einem zur Verfügung steht.

Otti:
Betrachtet euch doch mal gegenseitig: Wie sehr, würdet ihr schätzen, hat der bzw. die andere seine/ihre Träume verwirklicht? Und wieviel Hoffnung steckt noch in euch selbst?

Martin:
Von beidem sehr viel!

Sonja:
Martin und ich haben noch so viele Träume und Ziele, dass wir die Hoffnung dringend brauchen!

Otti:
Ein Phänomen unserer heutigen Gesellschaft, besonders auch bei jüngeren Menschen, scheint mir Antriebslosigkeit und chronische Langeweile zu sein. Was meint ihr, woran liegt das? Und was würdet ihr einem Menschen raten, der nichts mit sich anzufangen weiß?

Sonja:
Langeweile ist mir persönlich völlig fremd. Ich weiß eigentlich immer etwas mit mir anzufangen. Vielleicht liegt das Problem auch daran, dass sich diese Menschen selbst nicht mögen oder sich nicht gerne mit sich auseinandersetzen...
Was meiner Meinung nach immer gut tut, ist etwas zu "erschaffen". Etwas Handwerkliches oder künstlerisches, ganz egal... Denn wenn man erstmal das richtige gefunden hat, vergeht die Zeit meistens wie im Fluge und es gibt sicherlich keinen Grund zur Langeweile. Danach sieht man das Resultat und kann auch stolz auf sich sein und sich so vielleicht ein bisschen mehr mit der eigenen Person anfreunden... vMartin:
Vielleicht kiffen sie zu viel? Oder die Zeit verfliegt so schnell, während sie sich bei dem ‹berangebot von Information am heimischen Bildschirm auf nichts wirklich konzentrieren können. Da muss man selektieren und in sich hineinhorchen: Was fasziniert mich? Worüber will ich mehr wissen? Das ist schon mal der erste Schritt. Mit dem Rest hat man dann meistens so viel zu tun, dass man gar keine Zeit hat, Langeweile zu haben. Et voilà… Dummerweise ist so was viel leichter gesagt als getan, aber im Prinzip war's das schon. Oder wie Frank Zappa mal gesagt hat: "Shut up and play yer guitar"

Otti:
Im Zeitalter der Technik wirken klassische Instrumente und Themen wie "Briefe" schon nahezu anachronistisch. Was ist der Fluch, was der Segen an dieser Entwicklung?

Martin:
Es gibt ihn nicht. Die Entwicklung ist da, daran wird man nichts ändern können. Denn wer mag es nicht, wenn man eine E-Mail schreibt und sich so viel Zeit erspart, da man innerhalb von Minuten eine Antwort erhält? Und so viel schneller zu vorzeigbaren Ergebnissen kommt? Andererseits werden geschriebene Briefe und klassische Instrumente jedoch immer ihre Wirkung behalten und sie wird, in den meisten Fällen, eine positive sein. Gerade im Zeitalter der Technik, da der Kontrast zwischen dem halbanonymen Bildschirmgeflimmer einer E-Mail und persönlichem Inhalt eines geschriebenen Briefes stärker hervor tritt.

Otti:
Was, abgesehen von der Musik, sind für euch die jeweils wichtigsten drei Dinge im Leben?

Sonja:
Gesundheit, Familie, Freunde.
Martin:
Sonja, Kater, Dach über dem Kopf.

Otti:
Auf welcher Hochzeit würdet ihr eher auftreten, auf der von George Clooney oder auf der von Dieter Bohlen? Und wieso?

Martin:
Mit Persephone? Eigentlich bei keiner so gerne, da ich mir das nicht vorstellen kann. Um die Frage dennoch zu beantworten, entscheide ich mich für Clooney - zumindest wirkt er charmanter und stilsicherer.

Sonja:
Wir haben uns doch bereits geeinigt auf keiner Hochzeit zu spielen, obwohl wir in der Tat schon einige Anfragen bekommen haben. Nun gut, die Herren Bohlen und Clooney waren nicht dabei, aber ich weiß nicht...
Wenn wir da auftauchen würden, würde Dieter Bohlen sicher denken, dass das seine eigene Beerdigung ist und ich seine "Corpse Bride" oder er würde meine "Liedauswahl" negativ bemerken... Dann doch lieber George Clooney, denn wenn alle Stricke reißen, gibt`s da sicherlich jede Menge Martini. (lacht)

Offizielle Homepage: www.persephone-home.de
Fanseite: www.darkreflection.de

Line-up:
Sonja Kraushofer – Gesang
Martin Höfert – Cello
Holger Wilhelmi – Cello
Johannes Kramer – Cello, Kontrabass
John Abdel-Sayed – Percussions

Livedates:
25.01.2008 CZ-Prag, St. Jan Na Pradle-Kirche
26.01.2008 A-Wien, Schloss Neugebäude
01.02.2008 D-Wuppertal, Rex Theater
02.02.2008 D-Stuttgart, Club Zentral
03.02.2008 CH-Zürich, Dynamo

Art des Interviews: Email
07.12.2007 by Otti

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